thalassos Tauschrausch
thalassos Tauschrausch ist eine fast wöchentliche Kolumne zu Buchticket, Tauschticket und anderen wilden Tausch-Leidenschaften.
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thalassos Tauschrausch 1: 50 Bücher!
thalassos Tauschrausch 2: Allergien, meine Schwiegermutter und ich
thalassos Tauschrausch 3: Parteien zur Buchwahl
thalassos Tauschrausch 4: Kein Ticket!
thalassos Tauschrausch 5: Der arme Harry!
thalassos Tauschrausch 6: Vertretung
thalassos Tauschrausch 7: Moderner Wohnen
thalassos Tauschrausch 8: Zustände
thalassos Tauschrausch 9: Warum wird meine Post nass?
thalassos Tauschrausch 10: Neuzugänge
thalassos Tauschrausch 11: Propaganda
thalassos Tauschrausch 12: Tauschbörsen funktionieren nicht!
thalassos Tauschrausch 13: Die Weihnachtsmanngewerkschaft
thalassos Tauschrausch 14: Weihnachtseinkäufe
thalassos Tauschrausch 15: Neujahrsansprache
thalassos Tauschrausch 16: Hier Öffnen!
thalassos Tauschrausch 17: Schwangere Männer
thalassos Tauschrausch 18: Vornamen
thalassos Tauschrausch 19: Standesamt
thalassos Tauschrausch 20: Ticketgier
thalassos Tauschrausch 21: Schreib doch mal ein Buch!
thalassos Tauschrausch 22: Kleine Trollkunde
thalassos Tauschrausch 23: Tickets!
thalassos Tauschrausch 24: Schaltergespräche
thalassos Tauschrausch 25: Tankwart mit Fernglas
thalassos Tauschrausch 26: Sport
thalassos Tauschrausch 27: Werbung, Spam und andere Kleinigkeiten
thalassos Tauschrausch 28: Déjà vu
thalassos Tauschrausch 29: Tauschwahn
thalassos Tauschrausch 30: Analphabetendrehtür
thalassos Tauschrausch 31: Die Welt zu Gast bei Freunden
thalassos Tauschrausch 32: Selbsttausch
thalassos Tauschrausch 33: Der Sozialismus siegt!
thalassos Tauschrausch 34: Das erste Mal
thalassos Tauschrausch 35: Eine Jahresendgeschichte
thalassos Tauschrausch 36: Lebenszeichen
thalassos Tauschrausch 37: Einzug
thalassos Tauschrausch 38: Frühe Kommunikation
thalassos Tauschrausch 39: Osterspaziergang (frei nach Schiller)
thalassos Tauschrausch 40: Versandprobleme
thalassos Tauschrausch 41: Radio blinkt nicht!
thalassos Tauschrausch 42: Tickethorter?
thalassos Tauschrausch 43: Öffentliches Bekenntnis
thalassos Tauschrausch 44: Bewertungen
thalassos Tauschrausch 45: Vor Kindern wird gewarnt!
thalassos Tauschrausch 46: thalassos Reisegesetze
thalassos Tauschrausch 47: Ich mag nicht mehr im Forum lesen!
thalassos Tauschrausch 48: Herbstlaub
thalassos Tauschrausch 49: Ich glaub, ich werd doof!
thalassos Tauschrausch 50: Weihnachtskatastrophe
thalassos Tauschrausch 51: Umzüge
thalassos Tauschrausch 52: Die große Benzinkrise
thalassos Tauschrausch 53: Gute Gründe
thalassos Tauschrausch 54: Tauschen für Doofe
thalassos Tauschrausch 55: Essen gehen mit Mama und Papa
"Was willst Du denn meiner Mutter zum fünfzigsten Geburtstag schenken?" fragte meine Gattin mit der typisch weiblichen Beiläufigkeit, die bei allen geistig noch einigermaßen wachen Ehemännern alle Alarmglocken schrillen lassen.
"Blu, Blu, Blumen?" fragte ich selbstsicher. Noch bevor ich diese geniale Idee unvorsichtigerweise laut geäußert hatte, war mir klar, dass ich diesmal mit soviel Einfallsreichtum nicht durchkommen würde.
"Wie wäre es," fuhr meine Gattin ungerührt fort, "wenn wir ihr 50 Bücher zum Geschenk machen? 20 Bücher habe ich sowieso schon und Du besorgst den Rest!"
"Kein Problem!" sagte ich erleichtert. "Die organisiere ich im Handumdrehen bei der Buchtauschbörse im Internet. Irgendwelche Vorlieben deiner Mutter?"
"Skandinavische Krimis und Historische Roman! Ich glaube, meine Mutter mag diese Bücher über den kriminellen Mönch, Bruder Catweezle oder so. Aber die Bücher müssen wie neu sein!"
Nach einer schnellen Recherche wusste ich, dass Hakan Nesser kein Türke, sondern Schwede ist, dass Bruder Catweezle eher Cadfael heißt und dass ich dreißig gute Bücher in der Tauschbörse opfern musste, um die gewünschten Geschenke herbeizuschaffen. Und damit begannen die Probleme.
Jeder wollte Hakan Nesser haben und jeder war irgendwie schneller als ich. Gestern kannte ich den Typ noch gar nicht und heute schnappten mir alle Teilnehmer der Buchtauschbörse in seltener Einmütigkeit alle seine Bücher vor der Nase weg, bevor ich auch nur mit der Maus klicken kann.
Und mit Bruder Cadfael war es noch viel schlimmer. Weil die Autorin vor Jahren schon das Zeitliche gesegnet hatte, galten ihre Werke bereits als antiquarisch. Mit anderen Worten: zerfleddert und teuer. Diese Erfahrung machte ich, als ich in meiner Not versuchte, einige gebrauchte Exemplare bei Internet-Buchhändlern zu kaufen.
Und der Zustand der Bücher, die ich bekam, spottet jeder Beschreibung, vor allem der Zustandbeschreibung. "Wie neu" ist eben nicht neu, bestenfalls so ähnlich wie neu, also eher gebraucht, genau genommen zerlesen. Der Begriff "Gebrauchsspuren" wiederum umschreibt, dass das Buch von einem Panzer überrollt wurde, nachdem es die Müllkompostierung passiert hatte.
Der verschämte Zusatz "Raucherhaushalt" weist deutlich daraufhin, dass das Buch nur knapp einer Bücherverbrennung entkam und somit alle Brandflecken und Schmauchspuren eher wertsteigernd im antiquarischen Sinne sind. Bei "Noch gut erhalten" ist das "noch" von zentraler Bedeutung: das Buch zerfällt erst, wenn man es aus der unzureichenden Verpackung nimmt. Die Bezeichnung "gut" hingegen umfasst die ganze Palette von "eingeschweißt und ungelesen" bis "geschreddertes Altpapier".
Sollte man aber einen der zahlreichen wohlmeinenden Anbieter erwischt haben, die intakte Bücher gut verpackt verschicken, droht der Büchersendung weitere Gefahr. Auch wenn man ab und zu den Eindruck gewinnt, die Post befördere den überwiegenden Teil der Sendungen, ohne diese zu verlieren, den Umschlag so zu beschädigen, dass das Buch herausfällt, den Inhalt bei der Prüfung desselben mit anderen Sendungen zu vertauschen, das Ganze an eine falsche Anschrift zu liefern oder als unzustellbar zu markieren, obwohl die Adresse stimmt, passiert genau das mit genau der Lieferung, auf die man am dringendsten wartet.
Nach zwei Wochen hatte ich 8 brauchbare Bücher zusammen: 4 beliebige Krimis, 2 Nessers und zwei Mönche, einen davon mit Mängelexemplarstempel, also fast wie neu. Und der fünfzigste Geburtstag der lesefreudigen Schwiegermutter rückte gnadenlos näher.
Nachdem ich meiner Gattin gegenüber die Buchtauschbörse über den grünen Klee gelobt hatte, wollte ich meine Niederlage auf keinen Fall eingestehen und rannte zum nächsten Buchhändler.
"Alles Bände von Bruder Cadfael, außer den beiden, die ich schon hab!" keuchte ich über die Theke. Während die freundlich Buchhändlerin ihren Computer konsultierte, meinte ein vertrockneter alter Sack hinter mir hilfreich: "Die gibt es alle in der Stadtbibliothek!"
"Und was machen Sie dann noch hier?" entgegnete ich giftig und bereute den Ausspruch zugleich, schließlich wollte ich meiner Rettung in der Not nicht die Kundschaft vergraulen. Die Buchhändlerin aber musterte den Störenfried nur kurz und fragte ihn, was ihn denn in eine feministische Buchhandlung verschlagen habe und wir konnte meine Bestellung ungestört zu Ende bringen.
Glücklicherweise waren alle Abenteuer des aufklärerischen Mönchs sofort lieferbar, leider nur in neu aufgelegten Doppelbänden. Mein bereits vorhandenen Einzelbände waren damit ebenso doppelt, wenn ich alle mittelalterlichen Kriminalfälle haben wollte.
Dadurch hatte ich 10 Bücher zu wenig. Und nur noch zwei Tage bis zum Geburtstag. Ich kündigte meinen Bausparvertrag und kaufte zehn weitere Krimis. Blumen wären mich deutlich billiger gekommen.
Dennoch konnte der große Tag jetzt kommen. Stolz präsentierten wir meiner Schwiegermutter 50 einzeln verpackte Bücher, während ich meinem Blick über ihr Bücherregal schweifen ließ, wo bereits 8 Bände Bruder Cadfael fein säuberlich aufgereiht standen ...
Also, wenn sich jemand für die außerordentlichen Abenteuer des Bruders Cadfael von Ellis Peters interessiert, dann hätte ich da eine reichhaltige Auswahl anzubieten, einige Bände sogar doppelt!
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Für die noble Schenkung der 50 Bücher, die ja genau genommen nur 42 gewesen sind, revanchierte sich meine Schwiegermutter großzügig und überließ mir eine Kiste voll gelesener Bestseller, damit ich diese in der Buchtauschbörse einstellen könne. Computer und Internet sind Ihr eher wesensfremd und erscheinen ihr nur als eine technologisch missratene Ausprägung des allgemeinen Informations- und Kommunikationsbedürfnisses. Damit hat sie vermutlich recht.
Darüber hinaus ist meine lesefreudige Schwiegermutter auch noch allergisch gegen gebrauchte Bücher, genauer gegen gebraucht aussehende Bücher. Das macht sie natürlich zur idealen Nichtnutzerin einer Buchtauschbörse. Zum allgemeinen Bedauern der restlichen Familie ist sie allerdings nicht allergisch gegen Zigaretten. Freundlicherweise raucht sie nicht in meiner Anwesenheit, denn ich bin wiederum radikaler Qualm-Allergiker. Nur mein ausgesprochen schwacher Geruchssinn verhindert regelmäßige, aber überwiegend gerechtfertigte Gewaltausbrüche gegen Raucher.
Deshalb entging mir auch zuerst, dass Schwiegermutters Bücher deutlich nach Rauch stanken. Nun raucht sie kaum mehr als ein Kiosk pro Tag und daher erschien es doch angebracht, die Bücher fachgerecht zu enträuchern, bevor ich diese zum Tausch anbot. Schließlich hatten wir doch unlängst in "Einfach Tauschen!" verschiedene Tipps zur Geruchsentfernung zusammengestellt. Jetzt war es an der Zeit, die einzelnen Methoden auf ihre Wirksamkeit zu testen.
Die Gefriermethode: Man nehme ein Buch, stecke es in eine dichte Plastiktüte und friere es über Nacht ein. Als Tiefkühlpizzen-Allergiker und ehemaliger Ökoterrorist verfüge ich aus Altersstarrsinn über keine Gefriertruhe, sondern lediglich über ein winziges und ständig überfülltes ***-Gefrierfach in meinem überwiegend umweltfreundlichen Kühlschrank. Zum Platzschaffen entsorgte ich das Speiseeis und fror die Bücher ein.
Da es sich um große Bücher und um den einzigen warmen Tag dieses Sommers handelte, aß ich im Zuge der Entsorgung recht viel Eis. Als ich eine Woche später nach den schlimmsten Erfrierungen am heißesten Tag des Jahres aus dem Krankenhaus entlassen wurde, nahm ich die gefrosteten Bücher nur noch aus dem Kühlschrank und verschickte sie schnell, um die Tauschfrist nicht zu versäumen. Falls jemand von mir letzte Woche zwei Schnitzel bekommen hat, ich hätte da noch einen Dan Brown und einen Harry Potter im Eisfach.
Die Katzenstreu-Methode: Man stecke das zu enträuchernde Buch mit etwas Katzenstreu in einen Beutel und wartet. Leider bin ich Katzen-Allergiker und verfüge daher auch nicht über das entsprechende Streu. Unsere blinde Nachbarskatze kommt allerdings ab und zu über das Dach, um gegen unsere Balkontür zu laufen. Ich hatte sie allerdings längere Zeit nicht mehr gesehen. Also fragte ich freundlich meinen Nachbarn, ob die Katze vom Dach gefallen sei und ob er etwas Katzenstreu erübrigen könne. Er bejahte beides und gab mir grimmig eine Tüte voll. Der könnte auch freundlicher sein.
Die Methode war ein voller Erfolg. In kürzester Zeit roch keines der behandelten Bücher zumindest nicht mehr nach Rauch. Allerdings sollte man unbedingt darauf achten, nur unbenutztes Katzenstreu zu verwenden. Ich entwickelte umgehend eine Nachbarn-Allergie und verkehre mit ihm seither nur noch auf juristischer Ebene.
Die Ofen-Methode: Man lege die Bücher auf Backpapier in den Ofen und erwärme sie für 10 Minuten auf 50 Grad. Nicht heißer, nicht länger. Während ich noch darüber nachdachte, ob die Bücher statt des Rauchs nun den Geruch der angebrannten Ente von letzter Woche annehmen würden, erschien meine ewig hungrige, weil schwangere Gattin in der Küche und fragte, was ich denn da backen würde.
"Rauchbuch a la Buchtauschbörse!" antwortete ich stolz, aber meine Gattin meinte nur beleidigt: "Da haben wir es wieder. Für wildfremde Menschen im Internet machst du alles, aber für uns kochst du so was Leckeres ja nie!" Sprach's und verließ angewidert die Küche.
Eine Schwangeren-Allergie ist für einen Ehemann die denkbar ungeeignetste Form der Überempfindlichkeit. Also hechtete ich hinter meiner Gattin hinterher, um schlimmeres zu verhindern. Dabei muss ich wohl irgendwie an der Temperaturregelung des Ofens hängen geblieben sein. Habt Ihr eigentlich mal "Fahrenheit 451" gelesen?
Die wenigen überlebenden Exemplare meiner Bücherverbrennung riechen immer noch nach Rauch, aber wenigstens nicht nach Zigaretten. Außerdem wollten wir sowieso ausziehen, denn wir brauchen ja bald ein zusätzliches Kinderzimmer. Zu allem Überfluss bin ich auch noch Umzugs-Allergiker.
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Vor einer Wahl fragen Interessenverbände gerne die Parteien, was sie für den Fall eines Wahlsieges vorab versprechen wollen. So wollen Automobilclubs wissen, wie Politiker zu steigende Benzinpreisen stehen (steigende Fahrzeug-Preise hingegen bleiben unerwähnt), der Bund allein erziehender Großväter stellt Fragen zum Thema BAFöG für Rentner und irgendwelche Vertriebenen wollen wissen, ob sie in Zukunft vielleicht jemand anders vertreiben dürfen. So kann sich jeder an Hand der üblichen schwammigen Antworten ein Bild davon machen, wie fest eine bestimmte Partei bereits in den Klauen der Lobbyisten gefangen ist.
Sind die Damen und Herren Politiker erst einmal gewählt, hören die Fragen auf und nach kürzester Zeit kann sich kaum jemand daran erinnern, dass jemals Fragen gestellt wurden. Die Antworten konnte man ja sowieso vergessen.
Leider hat es keiner dieser Interessenverbände für nötig befunden, die Parteien zu ihrer Einstellung zu Büchern und Tauschbörsen im Internet zu befragen. Damit nun niemand unbedarft sein Kreuz an der falschen Stelle oder gar keins macht, haben wir für Sie typische Aussagen zur Wahl zusammengestellt. Bitte ordnen Sie diese den genannten Politikern zu. In der Auswertung am Ende erfahren Sie, welche Partei Ihrer Meinung ist.
1) "Deutschland ist eines der am wenigsten christlichen Länder Europas, und in Berlin fühle ich mich wie in einer heidnischen Stadt."
a: Gerhard Schröder b: Angela Merkel c: Edmund Stoiber d: Konrad Adenauer
2) "Zwischen zwei gedruckten Zeilen kann man genug Dynamit anhäufen, um damit ganze Welten in die Luft zu sprengen."
a: Angela Merkel b: Gerhard Schröder c: Joschka Fischer d: Heinrich Böll
3) "Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese."
a: Joschka Fischer b: Gregor Gysi c: Gerhard Schröder d: Groucho Marx
4) "Zukunftsforschung heißt die Kunst, sich zu kratzen, bevor es einen juckt."
c: Edmund Stoiber b: Gerhard Schröder c: Angela Merkel d: Peter Sellers
5) "Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gutgemeint."
a: Gregor Gysi b: Gerhard Schröder c: Joschka Fischer d: Gottfried Benn
6) "Die Abwesenden haben immer Unrecht."
a: Angela Merkel b: Angela Merkel c: Angela Merkel d: Giacomo Casanova
7) "Die Japaner erobern den Weltmarkt mit unlauterem Wettbewerb: Sie arbeiten während der Arbeitszeit."
a: Angela Merkel b: Oskar Lafontaine c: Joschka Fischer d: Ephraim Kishon
8) "Wenn man genug Geld hat, stellt sich der gute Ruf ganz von selbst ein. Wer seine Schwiegermutter totschlägt, wird geköpft. Das ist ein uralter verständlicher Brauch. Wer aber Hunderttausende umbringt, erhält ein Denkmal."
a: Joschka Fischer b: Gregor Gysi c: Gerhard Schröder d: Erich Kästner
9) "Die Ruhe eines Kirchhofs."
c: Edmund Stoiber b: Paul Kirchhof c: Angela Merkel d: Friedrich Schiller
10) "Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben, und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."
a: Gerhard Schröder b: Angela Merkel c: Joschka Fischer d: Antoine de Saint-Exupery
Die Auswertung
Haben Sie überwiegend folgendes gewählt:
a), b) oder c): Gehen Sie aber auf jeden Fall wählen! Vielleicht sollten Sie aber die Wahlprogramme der Parteien noch einmal aufmerksam prüfen, bevor Sie zur Wahl gehen:
http://www.gruene-partei.de/cms/files/dokbin/72/72641.wahlprogramm.pdf
http://www.regierungsprogramm.cdu.de/
http://kampagne.spd.de/040705_Wahlmanifest.pdf
http://sozialisten.de/service/download/dokumente/wahlprogramme/index.htm
http://wahlkampf.fdp.de/webcom/show_article.php/_c-584/i.html
http://www.bundeswahlleiter.de/pm-wahl-16-dbt/pd110211.htm
d) Sie wissen bereits, wen Sie wählen wollen. Viel Glück an der Urne!
http://www.daszitat.de/index.html
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Online Tauschen ist wirklich ganz einfach, Du meldest Dich an, stellst ein paar Bücher ein, die sowieso nur Platz in Deinem Bücherregal weggenommen haben, bekommst Tickets dafür, wenn sie jemand anfordert, und mit diesen Tickets holst Du Dir dann endlich all die Bücher, die Du immer schon mal haben wolltest und die recht schnell den frei gewordenen Platz im Regal einnehmen.
Dabei hattest Du Deiner Umwelt fest versprochen, als Du Tage und Nächte vor dem Computer verbracht hast, umringt von zahllosen Luftpolsterumschlägen, säckeweise Musterbeutelklammern, Unmengen von Briefmarken in völlig sinnlosen Stückelungen, Gefrierbeuteln in verschiedenen Größen und schließlich wankenden Stapeln von Büchern, von denen Du höchst aufwendig mit der extra angeschafften, sündhaft teuren digitalen Spiegelreflexkamera Passbilder angefertigt hast, dass Du nichts weiter wolltest, als die Menge der unnütz im Regal verstaubenden Bücher endlich auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren.
Eine ganze Woche lang haben sie Dir das auch geglaubt, bis dann der arme, völlig überladene Briefträger jeden Tag keuchend 5 Stockwerke später an Deiner Tür klingelte, um Dir alle diese Umschläge mit anderem Inhalt wieder zurückzubringen - Inhalt, den Du dann sorgfältig sortiert, auf Vollständigkeit und Zustand überprüft und bewertet hattest und wehe, da war auch nur ein Mangel unerwähnt geblieben.
Eines Tages aber, nachdem Deine Umwelt Dich bereits völlig abgeschrieben hatte, ist es dann unweigerlich passiert, denn da hattest Du plötzlich kein Ticket mehr und es kam auch kein neues, weil die Bestseller aus Deinem virtuellen Regal alle vertauscht waren und jetzt nur noch reale Ladenhüter den eher irrealen Platz wegnahmen.
Zuerst hast Du gelacht, das wird schon wieder, die tauschen einfach weiter, aber dem war nicht so, auch nicht am nächsten Tag oder in der nächsten Woche, wo Du doch wie jeden Tag auf der Lauer lagst, die wirklich guten Bücher schon auf der Startseite abzufangen, aber Du hattest ja kein Ticket mehr.
Da müssen neue Bücher ran, hattest Du Dir gesagt, aber Schwiegermutter hatte nur noch diesen Stapel Simmel und Konsalik, den sie Dir aber nicht geben konnte, weil sonst der Tisch ihr umgefallen wäre und andere Angebote waren auch nicht in Sicht, nicht einmal von deinen langsam lesenden Bekannten, denen Du am Anfang aus Deinem niemals endenden Überfluss Bücher geliehen hattest, die Du aber jetzt bedrängen musstest, doch endlich etwas schneller zu lesen, damit Du diese Werke, hoffentlich in gutem Zustand zurückgegeben, wieder einstellen könntest und das schnell, denn Du hast ja so überhaupt keine Zeit mehr, nicht einmal zum Lesen.
Auch der Flohmarkt war ein keine gute Quelle, hatte es doch so furchtbar geregnet, dass Du gar nicht erst hingegangen bist, ebenso wie der Wühltisch im Supermarkt, jedes Buch quasi geschenkt, aber nichts dabei, was man auch nur annähernd hätte vertauschen können, derweil Du dann versucht hast, mal eben schnell und preiswert auf Internet-Auktionen an aktuelle Ausgaben zu gelangen, was aber dann sehr schnell sehr teuer wurde, weil die Anbieter all zu gerne durch fleissiges Selbstbieten die Preise in die Höhe trieben.
Also versuchtest Du, Dein Angebot an sich ein wenig interessanter zu gestalten, indem Du in den dafür vorgesehenen Foren Werbung machtest, was aber auch nicht half, denn in diesen Foren verkehrten nur solche, die den gleichen Plan hatten und von der gleichen ticketlosen Gier getrieben waren, die Dir auf Befragen natürlich völlig fremd gewesen ist, weshalb Du dann Dein Werben in den nicht dafür vorgesehenen Foren weiterführtest, sehr zum Verdruss jener, die nun statt Tickets Spott und Hohn über Dich ergossen.
Geläutert begannst Du nun, Dich als Helfer in der Not im einschlägigen Forum zu präsentieren und allen edel und gut zu sein, was Dir aber auch nicht weiterhalf, da noch immer nicht ein einziges Ticket den Tag Dir retten konnte, worauf Du nun Deine Angebot in 2:1-Tauschgeschäft umgewandelt hast, später dann in 3:1, aber immer noch kein Tausch in Sicht, auch nicht nachdem Du alle Bücher im Regal gelöscht und wieder neu eingestellt hattest.
Da sitzt Du nun traurig neben dem Stapel getauschter, aber ungelesener Bücher, nimmst wie im Fieberwahn das oberste Buch und beginnst zu lesen, erst langsam und ein wenig stockend, dann fliegst Du immer schneller durch die Seiten, bis Du das Buch beendet hast und beginnst ein neues von dem Stapel, Buch für Buch, jedes nach dem Lesen zum Tauschen wieder eingestellt und plötzlich hat alle Not ein Ende.
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Ich hatte alles richtig gemacht. Dank minutiöser Planung konnte einfach nichts schief gehen. Das lange Warten hatte sich endlich gelohnt. Ich hatte rechtzeitig beim Online-Händler bestellt, die Post kam ausnahmsweise pünktlich und überglücklich hielt ich ihn zum Stichtag in Händen: den neuen Harry Potter!
"Dann lese ich den mal zuerst", sagte meine Gattin und nahm mir das Buch aus der Hand. "Du musst ja noch die ganzen Bücher lesen, die Du in der Buchtauschbörse getauscht hast!" Sprach's und verschwand mit meinem Harry Potter, bevor ich nur ein Wort des Widerspruchs herausbringen konnte.
Auf dem Höhepunkt des Triumphs hatte ich alles verloren. Mein Leben erschien mir plötzlich inhaltslos und leer. Nur langsam erholte ich mich von dem Schock und begann, Methoden zu ersinnen, das Buch wieder an mich zu bringen. Zuerst versuchte ich die klassischen Methoden der Verführung: Abendessen bei Kerzenlicht, rote Rosen, Androhung von Gewalt, Nacktputzen.
Letzteres brachte mir eine saubere Wohnung und eine Erkältung ein. Mein Gattin huschte derweilen lesend durch die Zimmer und kommentierte das Gelesene regelmäßig mit: "Der arme Harry!" In meiner Not rief ich meine Schwiegermutter an, legte aber gleich wieder auf, als sie sich mit "Der arme Harry!" meldete.
Demutsvoll versuchte ich in der Zwischenzeit, ein paar andere Bücher zu lesen, bis meine Gattin endlich mit Harry Potter durch war. Leider liest meine Gattin nicht so schnell. Ich hatte "Krieg und Frieden", "Lemprieres Wörterbuch" und "Der Schwarm" schon 2-mal durch, als mir der Geduldsfaden riss. Ich baute mich vor meiner weiterhin lesenden Gattin auf und brüllte: "Genug ist genug! Ich gehe jetzt in den Buchladen!"
Meine Gattin kommentierte das nur mit "Der arme Harry!" und las ungerührt weiter. Auf dem Weg zum Buchhandel sah ich einen blutroten Sonnenuntergang und überlegte, wie ich wieder Analphabet werden konnte. Meine persönliche Buchhändlerin saß lesend hinter der Kasse und seufzte: "Der arme Harry!"
"Harry Potter?" fragte ich hoffnungsvoll. "Ausverkauft!" antwortete sie, ohne von ihrem Buch aufzusehen. "Und das Exemplare in Ihren Händen?" Ich ließ nicht locker. "Das ist mein privates!" sagte meine persönliche Buchhändlerin und las weiter.
"Vielleicht sollten Sie das etwas professioneller sehen." Ich witterte eine Chance. "Wenn Sie nicht Ihr eigenes Harry Potter-Exemplar an einen treuen Kunden verkaufen, könnte der vielleicht enttäuscht sein und in Zukunft seine Bücher woanders beschaffen!"
"Da haben Sie natürlich Recht!" sagte meine persönliche Buchhändlerin und sah von ihrer Lektüre auf. "Als Buchhändlerin sollte ich das ausschließlich vom professionellen Standpunkt aus sehen. Vielen Dank für Ihre bisherige Treue. Es war schön, Sie gekannt zu haben." Und las weiter.
Hilflos und wie betäubt wankte ich durch die einsetzende Dunkelheit in den nahen Stadtpark. Unter einer Laterne saß ein Penner lesend auf einer Bank. Während er im schwachen Licht mühsam das stark zerfledderte Buch zu entziffern suchte, entfuhr es ihm: "Der arme Harry!"
Ich überredete ihn, mir sein Exemplar zu überlassen. In seiner Unkenntnis verkaufte der Penner mir das zerlesene Buch für 100 Euro. Überglücklich stolperte ich in das Stadtzentrum zurück, wo ich vor dem Schaufenster eines weiteren Buchladens zum Stehen kam. Ein großes Plakat schrie mich geradezu an: "Sonderangebot! Der neue Harry Potter wieder lieferbar!"
Im Zustand geistiger Umnachtung erreichte ich mein Heim. Kaum war ich durch die Tür, als mir meine Gattin entgegenkam und mir meinen Harry Potter überreichte: "Ich bin damit durch. Jetzt kannst Du es lesen. Am Ende stirbt übrigens ..."
Ich habe es im Affekt getan, aber ich werde bestimmt mildernde Umstände bekommen. Ich bereue nichts, denn in der Untersuchungshaft kann man in aller Ruhe lesen. Der arme Harry!
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Mit der unmittelbaren Dienstleistung tut sich die Post oft schwer. Aber glücklicherweise sind die Mitarbeiter der Post sehr anpassungsfähig und lernen schnell unter schwierigsten Bedingungen auf die Anforderungen der modernen Welt zu reagieren. Nur der Kunde stört dabei manchmal ein wenig.
Der Ausgabeschalter an meinem Postfach, wo man sperrige Sendungen, Nachnahmen, Einschreiben abholen, Briefe abgeben und Briefmarken kaufen konnte, war bisher zu den üblichen Öffnungszeiten besetzt. Das heißt: die Mittagspause dauerte von 12:00 bis 14:30 Uhr. Wie lange essen die Mitarbeiter der Post eigentlich?
Das wurde jetzt auf 8:00 bis 11:00 verkürzt und die vormals kompetente (aber wohl zu teuere) Schalterbesatzung durch eine Aushilfe ersetzt, die nicht mal mehr Briefmarken verkauft. Und hungern muss, weil die Mittagspause entfällt.
Hat man mal Lieferungen, die wegen Größe oder Anzahl der Briefe nicht mehr ins Postfach passen, liegt stattdessen eine blaue Karte darin: "Bitte holen Sie Ihre Sendung am Ausgabeschalter ab". Mit der Karte gehe ich dann zum Ausgabeschalter, lege Sie vor und sage meine Postfachnummer auf, damit man mir die Sendungen aushändigen möge.
"Watt soll ich damit?" Freudig erregt bekundet die Aushilfskraft ihre Kompetenz.
"Mir meine Post aus dem Postfach geben, bitte!" flehe ich ergebenst.
"Sie hamm doch ne Schlüssel für datt Postfach, oder nitt?" Auf die einfachsten Sachen kommt man eben einfach nicht!
"Da lag diese Karte drin!" Die gelehrige Aushilfe sieht sich zu ihrem steigenden Leidwesen gezwungen, die GALA aus der Hand zu legen und die blaue Karte zu begutachen.
"Un jetz? Watt mach ich damit? Ich kenn mich hier nitt so aus, ich bin die Vertretung!" Das soll man noch sagen, es fehle am guten Willen!
"Sie gehen zu meinem Postfach und schauen, ob davor eine gelbe Kiste mit Sendungen für mich steht!" Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, dass die Kiste in diesem Falle auch mitzubringen sei.
"Da müssen Sie mir aber aufschließen, ich hab doch keinen Schlüssel von Ihrem Postfach!" In der Tat sind Postfächer verschlossen, zumindest von einer Seite.
"Auf der Rückseite!" Die Vertretung versteht und dreht die Karte um.
"Die Kiste mit meiner Post steht an der Rückseite meines Postfaches! Und diese Rückseite ist offen! Wie sollten Sie denn sonst die Post einlegen können?" Zurückhaltung und Geduld sind unabdingbar im Umgang mit Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und solchen, die sich trotz Jahre zurückliegender Privatisierung noch immer dafür halten.
"Wie war die Nummer noch mal?" Hilflos stammele ich die 4 Zahlen und tatsächlich schlurft die Vertretung los und kommt nach angemessener Zeit, kurz vor dem Mittagessen, mit einer gelben Kiste voller Umschläge zurück.
"Das ist nicht meine Post!" Kleiner Zahlendreher in der Postfachnummer.
"Bitte entscheiden se sich! Erst wollen se de Post, dann wollen se se doch nitt!"
"Natürlich will ich meine Post, aber das hier ist nicht für mich! Schauen Sie doch mal auf die Adressen. Das ist doch gar nicht meine Anschrift!" Meine massiven Anflüge von Verzweiflung kontert die Vertretung ganz gelassen.
"Woher soll ich dann wissen, watt Ihre Anschrift iss!"
"Ich meine natürlich meine Postfachnummer! Diese Briefe sind an ein anderes Postfach adressiert!" stammele ich mit ersterbender Stimme.
"Wenn die Leute falsche Adressen auf die Briefe schreiben, könne mir och nix dafür!"
"Sie haben mir die falsche Kiste gebracht!" Mit letzter Kraft versuche ich auf das grundlegende Probleme im Ansatz aufmerksam zu machen.
"Sie sagten doch, ne gelbe Kiste. Andere Farben hamma nitt!"
Mein Herz! Ich glaube, es ist mein Herz!
Man soll nicht zu ungnädig mit Menschen sein, deren hervorstechenster Mangel in ihrer Ausbildung zu suchen ist, wenn sie nur im entscheidenden Augenblick das Richtige tun. In diesem Fall: den Notarzt rufen. Während mich Sanitäter auf eine Trage schnallten und mit mir in die Uniklinik rasten, schien mein ganzes Leben in bunten Bildern an mir vorüberzuziehen. Es waren aber nur die Reklametafeln entlang der Autobahnauffahrt.
In der Notaufnahme beugte sich ein besorgtes Gesicht über mich.
"Ich bin Privatpatient", hauchte ich. "Ich verlange die Chefarztbehandlung!"
"Der Herr Professor ist Golfspielen! Aber ich kann Ihnen auch helfen. Ich bin die Vertretung!"
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Diese Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, die so oder ähnlich stattgefunden haben könnten. Namen, Firmen und Orte wurden frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, insbesondere Professor Lopcowicz von der Universitätsklinik, sind zwar eher zufällig, aber in der Realität nicht völlig zu vermeiden. Sollte sich jemand in dieser Geschichte dennoch wieder erkennen, so sollte er das besser für sich behalten.
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Wenn Sie mir dann bitte zum Bildschirm folgen möchten. Hier sehen Sie nun ein 3D-Modell Ihres zukünftigen intelligenten High-Tech-Wohnhauses, welches in vollem Umfang auf die Erfordernisse zeitgemäßer Kommunikation abgestimmt ist. Auf einer kurzen virtueller Reise durch das Gebäude kann ich Ihnen jetzt demonstrieren, wie modernste Technik die multimedialen Bedürfnisse der Bewohner befriedigen wird. Allen Notwendigkeiten der Kommunikation, Unterhaltung und Medienvernetzung wurde beim Entwurf dieses Hauses Rechnung getragen. Ja, man kann auch darin wohnen.
Sobald Sie Ihre 3D-Brillen aufgesetzt haben, beginnen wir am Hauseingang. Das erste wichtige Feature ist der intelligente Briefkasten. Das ist nicht nur ein einfacher Schlitz zum Einwerfen von Post. Weil Sie ja kaum noch Briefe bekommen werden, ist dieser Briefkasten eine so genannte Versandklappe, die alle Sendungen von der Postkarte bis zum Paket hin aktiv entgegennimmt oder abgibt, auch wenn Sie gar nicht zu Hause sind. Die Art der Sendung und der Absender werden per Scanner erfasst. Unliebsame Absender werden an Hand Ihrer persönlichen Blacklist identifiziert und die Sendung wird zurückgewiesen. Die Versandklappe quittiert auch den Empfang von Lieferungen und füllt auf Wunsch auch Ihre Briefwahlunterlagen aus.
Erkennt dieser hoch-technisierte Briefkasten jedoch den Einwurf unerwünschter Werbung, wird via Bluetooth der gentechnisch veränderte Hund, dessen Hundehütte Sie hier rechts sehen, aktiviert und auf den Prospektverteiler gehetzt und dieser bis zur Grundstückgrenze verfolgt. Der Gen-Hund ist natürlich im Kaufpreis inbegriffen. Nein, für Ihre Familie ist er völlig ungefährlich. Aber Ihre Kinder sollten besser nichts in den eigenen Briefkasten werfen.
Hinter der Zugbrücke, der Selbstschussanlage, der Rundum-Videoüberwachung und vor dem Eingang zum Hochsicherheitsportal befindet sich dann eine Falltür für säumige Postzusteller. Sie können die Falltür automatisch auslösen lassen oder manuell. Ja, das ist ein Spaß für die ganze Familie! Der Postzusteller rutscht dann automatisch in ein entsprechend vorbereitetes Verließ im Keller. Gelobt der Zusteller nicht umgehend Reue, wird er vor der Haustür wieder freigelassen, der Hund aktiviert und den Rest kennen Sie ja schon. Die Erfolgsquote soll weit über 100% liegen.
Hinter dem Eingangsbereich befinden sich die Gehege und Käfige für die Mitglieder Ihrer Familie. Nein, eine Küche in diesem Sinne gibt es nicht. Wofür auch, wer soll vor lauter Unterhaltung noch Zeit zum Kochen haben? Für die Ernährung sind im ganzen Haus so genannte Food-Terminals verteilt, also eine Kombination aus Gefriertruhe, Mikrowelle und Gelber Tonne. Die Gefriertruhe hat einen Internet-Anschluss und bestellt automatisch alle verbrauchten Speisen nach. Ja, sie können Wünsche äußern, was dieser Froster für Sie bestellt. Schicken Sie einfach eine E-Mail an Ihre Gefriertruhe und hoffen, dass Ihre Bestellung nicht in deren Spam-Filter hängen bleibt.
Auf der linken Seite sehen Sie hier die schalldichte Fußballgummizelle für den Herrn des Hauses. Im Stadion-Design mit Großbildschirm, Surround-Anlage und kleinem Kühlschrank fürs Bier ausgestattet, kann hier der Göttergatte so richtig ausrasten, wenn unsere erfolgsverwöhnte Nationalelf mal wieder gegen die Osterinseln in Rückstand geraten ist.
Gegenüber dann die Schaltzentrale: im Surf-Center stehen mehrere komplett ausgestattete Multimedia-Laptops, um nach Herzenslust im Internet den besten Schnäppchen nachzujagen. Die gesamte Hardware ist tragbar und durch W-Lahm-Vernetzung drahtlos in der ganzen Anlage nutzbar. Jeder Rechner hat einen eigenen Internet-Anschluss mit einer fälschbaren IP-Adresse. Damit können Sie unerkannt mit mehreren Benutzernamen die Chat-Rooms und Foren aufmischen und bei Auktionen in aller Ruhe auf Ihre eigenen Angebote mitbieten, wenn die Gefriertruhe das nicht schon sowieso macht.
Direkt nebenan finden Sie das Versandzimmer. Hierhin werden alle Sendungen aus der Versandklappe am Eingang geliefert, es sei denn die Gefriertruhe ist schneller als Sie. Sollte Ihnen das Food-Terminal gegrillte Bücher servieren und die Versandklappe eine gefrorene Pizza, ist möglicherweise ein Update nötig oder Ihr Haus hat einen Virus. Die Programmierung des Hauses soll überwiegend von Bill Gates persönlich stammen. Regelmäßige Neustarts des gesamten Hauses und ein 2-stündiges Wartungsfenster pro Tag sind also ratsam.
In der Foto- und Scanner-Ecke werden Bücher und was Sie sonst so im Internet verkaufen, tauschen oder verschenken wollen, automatisch abgelichtet, erfasst und auf Plattformen Ihrer Wahl eingestellt. Verkaufte oder angeforderte Artikel können ebenso vollautomatisch in der Verpackungsanlage versandfertig gemacht werden und von der Versandklappe an den Zusteller übergeben werden, falls dieser sich noch in die Nähe des Hauses traut. Sollten Sie mit der Zeit einige Ihrer Haustiere oder Kleinkinder vermissen, schauen Sie besser mal, was in die ausgehende Post gepackt wurde.
Im Playstation-Keller, der wahlweise auch als X-Box-Katakombe oder Wii-Loft ausgeführt werden kann, dürfen sich dann die lieben Kleinen multimedial austoben. Nach einer Stunde werden die lieben Blagen allerdings automatisch an die frische Luft befördert und müssen dort eine weitere Stunde im Freien spielen, bevor Sie wieder vor den Bildschirm gelassen werden. Vor allem im Winter wird diese Funktion vom Nachwuchs oft als störend empfunden. Andererseits sollen sich die Bälger auch mal richtig abhärten, oder nicht?
In der Kamera-überwachten Außenanlage befindet sich neben einigen multimedial ausgestatteten Trimm-Dich-Geräten auch eine Southern-Walking-Laufstrecke. Kennen Sie nicht? Southern Walking ist wie Nordic Walking, nur ohne Stöcke. Und was das im Keller für ein einsamer Stuhl ist? Das ist der Alterssitz Ihrer Schwiegermutter.
Wir betreten jetzt die Multimedia-Bibliothek: das Herz der Anlage. Hier lagern alle Bücher und Medien. Diese können in jedem Raum Ihres Anwesens abgespielt werden. Die Bibliothek blockiert automatisch den Tausch oder Erwerb von Titeln, die Sie bereits besitzen. Beim Surfen macht die Bibliothek eigenständig Vorschläge, welche Werke Ihnen noch gefallen könnten und wickelt entsprechende Online-Bestellungen weitgehend autark ab. Manuelle Eingriffe sind nur dann erforderlich, wenn die Gefriertruhe mal wieder die Bibliothek überredet hat, ausschließlich Bücher über Tiefkühlkost zu beschaffen.
Da mehr oder weniger alle Räume multimedial mit Großbildschirmen und Kino-tauglichen Soundanlagen ausgestattet sind, entfällt die Notwendigkeit eines klassischen Wohnzimmers. Schließlich können Sie ja jetzt überall vor der Glotze hängen, immer die gleichen CDs hören oder sich ein Buch vorlesen lassen. Wenn Sie selbst lesen wollen, können Sie das immer noch im Bad tun, wo statt Toilettenpapier ePaper zu Einsatz kommt. Bevor Sie die Toilette aufsuchen, schicken Sie einfach eine SMS an die Bibliothek und bestellen Sie die gewünscht Literatur zum baldigen Verbrauch auf die Rolle. Falls das ePaper einmal knapp wird, können Sie sich am integrierten Faxgerät per Faxabruf unserer kostengünstigen 0190-Servicenummer die notwendige Papiermenge beschaffen. Ja, der Laptop in der Whirlpool-Wanne ist natürlich wasserdicht bis zum Ablauf der Garantiezeit.
Die Energie- und Onlinekosten des Hauses überschreiten die Kaltmiete nur geringfügig um das Doppelte. Aber überlegen Sie mal, was Sie alleine am Auto gespart haben. Oh, ich vergaß: eine Garage brauchen Sie natürlich auch nicht. Es gibt ja keinen Grund mehr das Haus zu verlassen, geschweige denn ein teures, umweltfeindliches Fahrzeug zu besitzen. Abstellräume sind ebenfalls nicht nötig. Alles wird in der Bibliothek aufbewahrt. Ja, auch die Kleidung. Obwohl Sie auch davon wenig brauchen werden. Selbst den Putzrobotern ist es egal, ob Sie nackt vor den Bildschirmen sitzen. Keine Sorge, bei Video-Telefonaten kleidet der Computer Sie nach Wunsch virtuell ein und simuliert ein entsprechendes Make-up.
Bitte? Wo das Schlafzimmer ist? Was für ein Schlafzimmer?
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Darüber hinaus ist die Einschätzung einer Qualität immer äußerst subjektiv. Hat man ein als "Sehr gut" beschriebenes Buch angefordert und bekommt aber eine zerfledderte Loseblattsammlung, die den Inhalt einer Altpapiertonne qualitativ herabmindern würde, ist es ratsam den Versender beiläufig zu fragen, was er denn gemeinhin unter "sehr gut" verstehe. Nicht selten erhält man aus purer Unkenntnis der üblichen Standards Antworten wie: "Konnte man doch noch lesen!" oder "Buch ist Buch!"
Bevor man nun wegen der Zustände von Büchern, CDs oder DVDs Zustände bekommt, hier eine kurze Auflistung, was bestimmte Zustandbeschreibungen wirklich bedeuten sollen:
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abgestoßene Kanten |
Das Buch hat seine Kanten endgültig abgestoßen. |
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Absolut neuwertig |
Also der Wert ist absolut neu, das Aussehen, nun ja ... |
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ansonsten wie neu |
... wenn man vom Schimmel absieht. |
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Eselsohren |
Nicht nur im Namen aller Vegetarier (einschließlich Veganer, ohne Makrobiotiker), verwahre ich mich ausdrücklich gegen die Verunglimpfung aller Hörorgane von Grautieren, die nun absolut gar nichts mit dem gelegentlich vermehrten Auftreten umgeknickter Buchseiten zu tun haben. |
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Exlibris |
Lateinisch für: das war mal ein Buch. |
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Fehlende Seiten |
Genau genommen fehlen nur zwei Seiten: die Vorderseite und die Rückseite. |
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Flecken |
Gehen über die ganze Fläche und fallen daher kaum auf. |
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Gebrauchsspuren |
Stammen möglicherweise vom Traktor, einer Dampfwalze oder dem Braunkohlebagger. |
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Gelesen |
Von allen regelmäßigen Besuchern der Stadtbibliothek, bevor ich es geklaut habe. |
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Gut |
Großer Bauernhof |
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Gut erhalten |
War gut, bevor ich es erhalten habe. |
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Knicke |
Dieses Buch kannst du knicken! |
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Kochbuch |
Weißwäsche bei 95 Grad wäre empfehlenswert, um die Flecken rauszukriegen. |
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Kratzer |
eine ganz klitzekleine Schramme an der CD, also die sieht man kaum, hören tut man die schon gar nicht, im Grunde genommen ist die so was von minimal, also die hätte man eigentlich gar nicht unbedingt erwähnen müssen, die fällt bestenfalls irgendwelchen oberpedantischen, superpingeligen Erbsenzählern auf, die sich sowieso gerade aufregen, weil sie einen total schlechten Tag gehabt haben, weil sie sich gerade ebenfalls die erste Schramme in ihren 27 Jahre alten Scheckheft-gepflegten Neuwagen gefahren haben, weshalb dann diese kleine, extrem winzige Schramme ihnen den Rest geben wird. Solltest Du zufällig gerade eine Schramme in deinem 27 Jahre alten Neuwagen gefahren haben, bitte nicht zugreifen! Warte noch ein paar Tage, bis die CD weg ist und greife zu deinem eigenen Schutz erst danach zu! |
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Leicht verstaubt |
Der Umgang mit offenem Feuer sollte hier vermieden werden |
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Mängelexemplar gekennzeichnet, es weist aber keinerlei Mängel auf. |
Die Mängel sind vom Mängelexemplar-Stempel verdeckt! |
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Noch gut |
Vor dem Versand ... |
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nur 1 x gelesen |
Alle anderen "x" sind noch ungelesen und daher enthalten! |
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Ohne erkennbare Mängel |
Ich habe lieber nicht hingeschaut und es vorsichtshalber im Dunkeln eingestellt! |
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Ohne Mangel |
Bügelfrei |
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Orginalverschweißt |
Mit einem Flammenwerfer? |
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Raucherhaushalt |
Das Buch hat aufgehört zu brennen. |
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Regalauflösung |
Entsprechend aufgelöst sehen die Bücher auch aus. |
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Risse |
Können mit etwas Spachtelmasse leicht behoben werden |
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Rundgelesen |
Also Ecken im ursprünglichen Sinne hat das Buch nicht mehr, dafür eignet es sich aber hervorragend zum Fußballspielen. |
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Schaden am Buchschnitt |
Also ich schneide meine Bücher ja nur, wenn es unbedingt sein muss! |
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schiefgelesen |
Ich konnte beim Lesen nicht gerade sitzen! |
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Signiert |
Von allen Kindern der Nachbarschaft. |
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Stockflecken |
Stöcke machen keine Flecken, sondern bestenfalls Löcher! |
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Striche am Buchdeckel |
Besser als am Bierdeckel! |
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Tadellos |
So ein Buch kann doch nichts dafür, dass es so aussieht, da muss man es doch nicht noch tadeln! |
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Unterstreichungen |
Sind natürlich von Goethe persönlich. |
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Vergilbt |
Dieses Buch bringt Farbe ins Spiel. |
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Vergleichsweise gut |
Dafür, dass es drei Wochen auf der Autobahn gelegen hat. |
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Wasserschaden |
Antiquarisches Schnäppchen aus der Bibliothek der Titanic. |
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Widmung |
Wenn Du Erwin heißt und Deine Tante Elfriede, passt dieses Buch ganz ausgezeichnet zu Dir und Du solltest es unbedingt anfordern. Und Alles Gute zur Aufnahme in die Jugendorganisation der Grauen Panther! |
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wie neu |
Als es noch im Regal des Buchhändlers stand. |
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Handschriftliche Kommentare |
Werten jedes Buch auf und verleihen dem Werk eine unerwartet persönliche Note. Außerdem erübrigen weise Worte am Seitenrand selbst zur Feder greifen zu müssen. |
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altersgemäß gebräunt |
Stammt die Bräune aus dem Urlaub oder aus dem Solarium? |
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Minimale Gebrauchsspuren |
Leichte Gebrauchsspuren |
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Leichte Gebrauchsspuren |
Mittlere Gebrauchsspuren |
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Mittlere Gebrauchsspuren |
Starke Gebrauchsspuren |
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Starke Gebrauchsspuren |
Vergiss es! |
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Damals, kurz nachdem die blaue Mauritius noch umgerechnet etwa 55 Cent gekostet hat, stellte sich den Leuten, die sie erfunden hatten das Problem, wie man diese komischen kleinen Umschläge mit dem handschriftlichen Innenleben befördern sollte. Dazu wurden gleich mehrere Dinge annähernd zur gleichen Zeit erfunden: die Post und der Briefträger. Briefträgerinnen waren die nächsten 100 Jahre nicht in Sicht.
Nun muss man bedenken, dass der Brieftransport Mitte des 19. Jahrhunderts etwa so häufig vorkam wie das Versenden einer SMS vor 1993. Briefe wurden von Hand sortiert und per Kutsche oder Pferd zum Bestimmungsort gebracht. Hatte ein hochwohlgeborener Mensch den Wunsch, einen Brief zu versenden, so musste er mit teuerem Porto und wochenlangem Transport rechnen - genau wie heute.
Der Vorgang der Briefzustellung war zu dieser Zeit so ungewöhnlich, dass er durch ein akustisches Signal angekündigt wurde. Parallelen zur E-Mail sind hier rein zufällig. Die Briefträger von damals, Postillione genannt, stießen dazu ins Horn, um alle im näheren Umkreis auf eine bevorstehende Zustellung aufmerksam zu machen. Auch wurde von der Post reichlich ins Horn gestoßen, um sich Platz auf den Vorläufern der heutigen Autobahnen zu verschaffen, denn damals hatten die Postkutschen automatisch Vorfahrt. Wenn man sieht, wie manche Post-LKW heutzutage unterwegs sind, hat sich auch daran wenig geändert.
Mit "Trari, Trara, die Post ist da" auf den Erhalt einer Sendung vorbereitet zu werden hatte schon etwas mehr Stil, als das knappe "Post" heutzutage. Die Übergabe eines Briefes geschah persönlich und nicht wie heute, wo ein Zusteller schon mal in den fünften Stock herauf ruft: "Paket liegt sich vor Haustür, hab schon für Dich unterschrieb!"
Ja, damals als die Sendungen noch hauptsächlich aus Urlaubspostkarten, Briefen und Genesungswünschen von weit entfernten Verwandten und wenigen Rechnungen bestanden, hatten Briefträger ein vergleichsweise angenehmes Leben. Nicht die Menge der Post, sondern die Entfernungen zwischen den Briefkästen machten die meiste Arbeit. Heute ist das umgekehrt: Briefkästen liegen dicht beieinander und werden mit Unmengen (überwiegend unerwünschter) Werbung voll gestopft.
Nur eines ist seither gleich geblieben. Die Wägelchen und Taschen, mit denen Briefträger die Post transportieren. Diese wurden wohl in den fünfziger Jahren erfunden und haben sich seither nicht wesentlich verändert. Da das Postaufkommen heute ein Vielfaches gegenüber früher ist, müssen die Briefträger viel mehr in die Taschen stopfen, oft mehr als eigentlich rein passt.
Die Klappe, die den Inhalt der Tasche vor Regen schützen soll, ist aber leider nur so breit wie die Tasche selbst und steht seitlich nicht über. Und wenn es dann mal regnet, werden die hinein gestopften Briefe, die links und rechts unter der Klappe herausragen eben nass. Hat man nun das Glück, einen Brief aus dem trockenen Bereich der Tasche zu bekommen, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der eigene Briefkasten zu klein ist, um die ganze Werbung aufzunehmen. Die einzig wichtige Sendung ragt deshalb noch halb aus dem Briefkasten heraus und wird dann doch noch nass und alsbald postwendend gestohlen. Das ist aber nicht weiter schlimm, war ja eh nass!
Vermutlich wird die Post schon bald auf diese unhaltbaren Zustände reagieren und ihre Zusteller mit Taschen ausrüsten, deren Klappen seitlich über den Rand herausragen, so wie bei Fototaschen, wo dieses Problem ja auch gelöst werden konnte. Das wird wahrscheinlich auch nicht länger dauern als die Einführung der 85 Cent-Briefmarke für Büchersendungen - nach der nächsten Portoerhöhung.
Lesen Sie in der nächsten Woche, warum es in meinem Postfach regnet.
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Meine Post bringe ich gerne mit dem Fahrrad weg. Außerdem muss ich regelmäßig mein Postfach leeren oder Pakete von der Post abholen. Wenn es aber gerade regnet, nehme ich dann doch das Auto. Dafür, und für Kurzausflüge zum Nordpol, hatte ich vor langer Zeit das zu diesem Zeitpunkt umweltfreundlichste, bezahlbare Serienfahrzeug auf dem Markt gekauft.
Unlängst macht mich aber meine Gattin in ihrer unvermeidlich diplomatischen Art vorsichtig darauf aufmerksam, dass sich nicht nur aus umwelttechnischen Aspekten die Anforderungen an das Fahrzeug geändert hätten:
"Wir brauchen ein anderes Auto!"
"Gefällt dir unser Kleinwagen nicht mehr?" frage ich in aller Unschuld.
"Doch, er ist aber eindeutig zu klein!!"
"Bisher hat doch immer alles reingepasst!" OK, bis auf das Klavier vielleicht.
"Aber der neue Kinderwagen passt nicht rein!"
"Wieso haben wir denn einen neuen Kinderwagen? Was ist denn mit dem alten? Äh, wir haben doch gar keinen Kinderwagen!" Endlich begreife ich! "Du meinst, Du bist, äh, Ich meine wir werden, äh, ist es wirklich wahr?"
"Ja, es ist wirklich wahr!" Meine Gattin strahlt übers ganze Gesicht.
"Hurra!" stimme ich ein. "Wir bekommen ein Auto!"
Ein gebrauchtes Fahrzeug kommt natürlich nicht in Frage. Alte Gurken brauchen zu viel Benzin und ich verspüre keinerlei Neigung, regelmäßig unter der Karosse zu liegen und mir im langsam dahinwelkenden Schein einer Taschenlampe das Getriebeöl ins Gesicht tropfen zu lassen, während ich versuchte das schadhafte Teil mit Hilfe der grundlegenden Fachliteratur "Jetzt helfe ich mir selbst, aber nicht meinem BWM Touring" oder "Wie ruiniere ich meinen Golf III (alle Modelle außer Ihrem)" zu finden. Auch fehlt mir der innere Antrieb der "Opel Manta Baujahr 74 Selbsthilfegruppe Oberhausen-Süd" beizutreten.
Wie sollen wir aber unser betagtes umweltfreundliches, abgasarmes 5-Liter Auto durch ein modernes, noch umweltfreundlicheres, noch verbrauchsärmeres, aber größeres Gefährt ablösen? In der Hoffnung, dass sich in den letzten 8 Jahren entscheidende technologische Durchbrüche ereignet haben, durchforste ich die Internetseiten aller Automobilhersteller, die damit werben, umweltfreundliche Automobile herzustellen.
Von wegen "Bessere Autos für eine bessere Umwelt", "Vorsprung durch Technik" oder "Nicht ist unmöglich". Ein Kinderwagen-taugliches Fahrzeug ist zwar durchaus mit einem Schadstoff-armen Motor zu bekommen, aber nicht unter 120 KW oder mit gerade noch 80 KW, aber dann mit noch höherem Verbrauch, oder als Diesel mit 4,5 Liter Verbrauch, dann aber ohne Partikelfilter, oder mit Erdgas-Antrieb, dann aber nur als bulliger Geländewagen mit doppelt so hohem CO2-Ausstoß, dafür aber keine passende Tankstelle in der Nähe oder aber das Fahrzeug ist absolut perfekt und der Kinderwagen passte nur noch dann ins Auto, wenn das Kind alleine fahren würde. Auch wenn man den Führerschein heute schon mit 16 machen kann, erscheint mir wenig praktikabel, solange zu warten.
Ich besuche also mehrere Autohändler und fragte nach dem so populären Hybridantrieb. Da wird mir erklärt, dass zwar alle von umweltfreundlichen Autos reden würden, aber niemand - außer mir - ernsthaft eines kaufen wolle. Auch Familienväter träumen von Sportwagen und Cabrios und nehmen am Ende, wenn auch widerstrebend, eine Familienkutsche mit 177 PS.
Ein Bekannter, hauptberuflich Vater von 2 Kindern und damit Familienkarrossenexperte, erklärt mir dann auch, dass es auch nicht weiter schlimm sei, dass man mit einem Erdgas-betriebenen Autos nicht in Tiefgaragen fahren dürfe, weil keine Tiefgarage im unmittelbaren Stadtzentrum einen Aufzug habe und man diese mit Kinderwagen nur über die Einfahrt verlassen könne, was man aber nicht dürfe. Er ruft einfach ein Taxi oder nimmt einen Mietwagen, wenn er mit den Kindern eine größere Tour machen will. Ist unterm Strich auch billiger, sagt er.
"Besorg doch mal ein paar Bücher über Schwangerschaft und Geburt!" schlägt meine Frau vor, um mich vom Autokauf abzulenken. "Das ist jetzt viel wichtiger!" Für die Beschaffung der Kleinkinderliteratur kommt mir die Buchtauschbörse gerade recht. Also Stichwort "Baby" eingeben und fast 1000 Angebote finden: "Be My Baby Tonight", "Babylonische Wanderung" oder "Shanghai Baby" gefallen mir ganz gut, sind aber dann vielleicht nicht ganz die Literatur, an die meine Gattin so denkt.
"Knaurs Großes Babybuch" von Sybil Gräfin Schönfeldt kommt der Sache schon viel näher. Die Bilder hätten einen schon stutzig machen müssen. Obwohl die Ausgabe von 1999 ist, zeigt sich das moderne Kinderzimmer in den Trendfarben der frühen 70er Jahre: grün, braun und orange. Entsprechend zeitgemäß sind auch andere Hinweise: Obst macht dick, 2 Liter Flüssigkeit am Tag sind genug, Wassergeburten sind gefährlich und wenn man den Hinweisen im Vergiftungsfall folgt, wäre es für das Kind wohl besser, man würde es gleich notschlachten. Entnervt befrage ich das Internet, wo ich diesen Hinweis finde: "Dieses Babybuch gilt seit 40 Jahren als Klassiker unter den Babybüchern". Vielleicht sollte man dem Verlag mal mitteilen, dass sich das Wissen der Welt in den letzten Jahren ein wenig weiterentwickelt hat.
Nach meinem Ausflug in die antiquarische Säuglingspflege, frage ich einfach gestandene Mütter in diversen Foren und schon bald kann ich mich vor Babybüchern kaum noch retten. Meine Gattin gibt derweilen klare Anweisungen, was sie denn lesen möchte. Mit dem Buch "Erlebnis Wassergeburt" sind die Prioritäten klar gesetzt. Das eröffnet völlig neue Perspektiven, den Vorgang der Geburt für die Nachwelt festzuhalten und rechtfertigt die umgehende Anschaffung einer Unterwasserkamera.
Dennoch sind wir froh, unseren alten, betagten Kleinwagen noch zu haben. Besonders als uns dieser Polizist mit dem Motorrad überholt und zum Straßenrand winkt. Ich hatte nur eine Abkürzung genommen, weshalb wir etwas spät dran waren und vielleicht den ein oder anderen Kilometer geringfügig minderlangsam gewesen sind oder so.
"Ich kann es ja auch kaum glauben", sagt der Gesetzeshüter. "Aber Sie sind zu schnell gefahren!"
Ich zeige nur auf den Bauch meiner Gattin und stammele: "Wir mümümüssen ins Krankenhaus, zur Gebububurts ...".
Bevor ich noch "Geburtsvorbereitungskurs" sagen kann, fahren wir mit Blaulicht in die Klinik und kommen auch gar nicht mal so spät.
Allerdings müssen wir uns die Wassergeburt von der Backe wischen. Das Kind hat sich nicht aus der Beckenendlage gedreht. Ich stelle meine Fotoausrüstung neu zusammen und besorge gleich die passende Literatur: "Mein Baby kommt per Kaiserschnitt".
Einen Tag vor dem Kaiserschnitttermin muss das Kind wohl die ärztlichen Garantieausschlüsse, Rücktrittsklauseln, Hinweise auf mögliche Schnittverletzungen und alle anderen zu unterschreibenden Dokumente, nach denen man sowieso selbst an allem Schuld ist, zur Kenntnis genommen haben und vermeidet das einschneidende Erlebnis, indem es sich geburtsfertig dreht. Zu blöd, dass ich "Erlebnis Wassergeburt" schon wieder getauscht habe.
Ein paar Tage später sagt die Gattin dann so beiläufig wie möglich: "Ich glaube wir sollten in die Klinik fahren. Das Fruchtwasser geht ab!"
"Abkneifen!" antwortete ich. "Ich muss erst das passende Buch tauschen!"
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Brauchbare und unterhaltsame Literatur zum Thema:
Das große Falken Babybuch, Karin Schutt, 2002, 351 Seiten, Falken Verlag, ISBN: 3806873801
Erlebnis Wassergeburt, Cornelia Enning, 2003, 152 Seiten, Vgs Verlagsgesellschaft, ISBN: 3802512979
Mein Baby kommt per Kaiserschnitt, Petra Büscher, Ulrich Büscher, 2001, 126 Seiten, Trias Verlag, ISBN: 3893736328
Beim ersten Kind gibt's tausend Fragen, Vicki Iovine, 2000, 432 Seiten, Droemer Knaur, ISBN: 3426821036
"Das Baby. Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung", Louis Borgenicht, Joe Borgenicht, 2004, 176 Seiten, Sanssouci, ISBN: 3725412979
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Band 3: Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen, Bestell-Nr.: 60643000, 324 Seiten, PDF-Dokument (1,36 MB), kostenloser Download: http://www.bzga.de?id=medien&sid=62&idx=628
Mit dem Toyota Prius in die Zukunft, Frank Franke, 2004, 144 Seiten, Motorbuch Verlag, ISBN: 3613024454
"Pressen, pressen! Und noch einmal! Gleich haben wir es geschafft! Und noch einmal pressen!"
Wenn ich gewusst hätte, was da auf uns zukommt! Man braucht wirklich alle zur Verfügung stehenden Kräfte, um so ein Massivholzkinderbett zusammenzubauen. Und in ein paar Monaten muss man es wieder auseinanderschrauben, um es den geänderten Bedürfnissen anzupassen. Das wird ein Spaß!
Auf Dinge wie diese wird man einfach nicht vorbereitet, auch nachdem man allen gewordenen Eltern stundenlang zugehört hat. Alles Propaganda und Schönfärberei! Die Kernaussagen sind: Die Schwangerschaft ist anstrengend, aber schön. Die Geburt ist anstrengend, aber schön. Säuglingspflege ist anstrengend, aber schön. Die grundlegenden, wirklich wichtigen Details werden einfach verschwiegen. Und der Rest ist wohl aus Selbstschutz gelogen!
Niemand hatte auch nur beiläufig erwähnt, wie viel Aufwand mit der Beschaffung aller notwendigen Utensilien verbunden ist: Kinderbett, Kinderwagen, Kinderbücher, Kinderkleidung. Nachdem wir anfangs Säuglingsbekleidung in Größe und Preislage von Luxus-Bikinis beschafft hatten, wurde uns klar, dass auf diesem Wege die Ausbildungsfinanzierung unseres Kindes der aktuellen Mode geopfert werden müsste.
Also ersteigerten wir einige Kleiderpakete (Größen 53 - 96) im Internet. Diese Vorgehensweise hat Vorteile: jedes Teil kostet im Schnitt nur etwa 2 Euro, alles ist in jeder benötigten Größe verfügbar, alles ist mehrfach gewaschen und damit garantiert schadstofffrei und Kleinkinderschuhe, die sonst mit Gold aufgewogen werden, aber bestenfalls nach 3 Wochen schon zu klein sind, waren in ausreichender Zahl dabei. An dieser Stelle möchte ich eine Tauschbörse für Kinderbekleidung und -schuhe anregen. Ich könnte spontan 17 gebrauchte Strumpfhosen etwa Größe 68 beisteuern.
Viel Zeit verbringt man auch damit in Wartezimmern zu sitzen, nur um viele Stunden später ein paar Ultraschallbilder in den Händen zu halten, auf denen absolut nichts zu erkennen ist. Trotzdem will sie jeder sehen und sagt dann unweigerlich: "Oh, wie süß!" Weil ich die aktuellen Ultraschallbilder unserer Tochter einfach nicht finden konnte, zeigte ich meinen Verwandten die von meiner Nasennebenhöhle: "Oh, wie süß!"
Noch länger muss man jedoch warten, wenn man Privatpatient ist. Um das zu erklären, muss man etwas weiter ausholen. Früher ging man mit einem Schnupfen zum Arzt. Der gab einem 2 Aspirin, schickte einen nach Hause und rechnete dafür mit der Krankenkasse eine Herztransplantation ab. Mit dem Preis-/Leistungsverhältnis waren sowohl Patienten als auch Krankenkassen geringfügig unzufrieden. Einzig Golfclubs konnten über den stetigen Zustrom zahlungskräftiger Götter in Weiß kaum klagen.
Deshalb wurde die Gesundheitsreform erfunden. Mit der Folge, dass der Patient nun die beiden Aspirin selber zahlen musste. Der Privatpatient hingegen, der sich eben diesen Status auf Grund seines beruflichen Erfolges erlauben konnte, wollte den Leistungsgedanken nun auch im Gesundheitswesen etabliert wissen. Er wollte einfach mehr Leistung fürs Geld.
Diesem Wunsch und den steigenden Mitgliedsbeiträgen der Golfclubs entsprachen die Mediziner gerne, indem sie aus einer Erkältung eine komplexe, unklare Erkrankung mit einer diffusen Symptomlage machten. Einfache Krankheiten, für die man nichts verschreiben durfte, wurde so zu einer exotischen, einmalige Bedrohung der Gesundheit, die eine aufwändige, lang anhaltende Therapie erforderten. Der Patient war zunächst damit zufrieden, wenigstens eine anständige und exklusive Krankheit zu haben, wurde aber durch die schwammige Diagnose derart verunsichert, dass er tatsächlich an dieser obskuren Gesundheitsbeeinträchtigung erkrankte. Endlich bekam er mehr Krankheit fürs Geld.
Also wandern immer mehr Kassenpatienten in die Privatversicherungen ab und untergraben so deren Exklusivität. Das neue Zauberwort der privaten Krankendienstleistung heißt daher Chefarztbehandlung. Sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt, wird dem Privatpatienten ein Schreiben zur Unterschrift vorgelegt, das unmissverständlich regelt, dass alles außer Chefarztbehandlung inakzeptabel ist, diese aber auch von seinem Stellvertreter, der kein Chefarzt ist, falls jener gerade Golf spielen ist, durchgeführt werden kann, man aber in diesem Fall keinesfalls sein Geld zurückerhält, weil es ja der Sinn der Übung ist, dass es irgendwie teurer wird.
Nur gibt es nicht so viele Chefärzte, wie man gemeinhin braucht. Diese Erfahrung machten wir, als wir in die ehrwürdige Universitätsklinik gingen, weil Professor Doktor dort ein Ultraschallgerät hatte, das ungeborene Kinder auch von Nasennebenhöhlen unterscheidbar machen sollte. Die Anmeldung verlief zügig, alle Formulare waren durch die Mithilfe der Assistentin (Gebührensatz 1,3) schnell ausgefüllt. Wir wurden von einer Krankenschwester (Gebührensatz 1,8) in einen Raum mit der entsprechenden Gerätschaft geführt und von der diensthabenden Ärztin (Gebührensatz 2,3) eingewiesen. Schließlich erschien die Oberärztin (Gebührensatz 3,7), um uns mitzuteilen, der Professor (Gebührensatz 4,05) komme gleich.
Während das Personal die nächsten Patienten vorbereitete, warteten wir in dem etwas ungemütlichen, abgedunkelten Raum und lauschten dem Summen der Geräte (Gebührensatz 1,0). Meine Gattin lag wenigstens auf einer einigermaßen bequemen Pritsche, während ich versuchte in meinem Stühlchen nicht einzuschlafen. Leider hatten wir uns nichts zu Lesen mitgenommen. Für "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" wäre es wohl zu dunkel gewesen. Mit der Zeit erschien mir "Warten auf Godot" noch passender.
Nach einer Stunde schaute die Ärztin (Gebührensatz 2,7) noch mal herein, um uns zu sagen, der Herr Professor (Gebührensatz 5,4) sei aufgehalten worden und komme gleich. Nach einer weiteren Stunde hatte ich die Bedienungsanleitung des "SINUSLINE Alegra für Ultraschallpanoramabilder und 3D-Sonographie" auswendig gelernt und fragte mich, wann das Mittagessen wohl serviert werde. Als der Professor (Gebührensatz 6,9) dann endlich kam, war es draußen genauso dunkel wie drinnen und wir lagen beide friedlich schlafend gemeinsam auf der Pritsche.
Die Untersuchung selbst verlief zügig und kompetent. Herr Professor (Gebührensatz 8,8) fuchtelte mal schnell mit dem Ultraschall über den Bauch meiner Gattin und fragte: "Wollen Sie wissen, ob es ein Junge oder Mädchen wird?" Meine Gattin murmelte nur schlaftrunken: "Es wird ein Junge, eine Mutter weiß so was!"
"Es ist ein Mädchen, alles in Ordnung, kommen Sie in 6 Wochen wieder, auf Wiedersehen!" Bei unserem nächsten Besuch brachten wir dann warme Decken, Nahrung und Literatur für eine Woche mit. Man weiß ja nie!
Mit den neuen, teuren Bildern war die Verwandtschaft recht zufrieden und begann uns mit dem unvermeidlichen "Wann isses denn endlich soweit?" zu nerven. Hierzu bekam ich von einem bereits mehrfach gewordenen Vater endlich mal einen guten Tipp. "Verlege das errechnete Geburtsdatum einfach 4 Wochen nach hinten, dann hast du Ruhe!"
Später, als das Kind dann da war, fanden einige Verwandte allerdings, es sei für eine Frühgeburt mit fast 4 Kilo recht stämmig geraten.
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Wann immer im Kreise meiner Freunde und Bekannten das Thema auf Politik, Sport oder Fernsehen kommt, lenke ich selbiges gerne auf Buchtauschbörsen um, und schildere in schillernsten Farben, gerne auch ungefragt, deren Vorzüge. Die erste Antwort ist immer: "Ist denn das nicht irgendwie illegal?"
Da atme ich tief durch und beginne die Unterschiede zwischen Tauschbörsen und Tauschbörsen zu erklären. Ist ja eigentlich auch ganz einfach: die einen tauschen lausig aufgenommene, verwackelte, Briefmarken-groß und mit unverständlichem Ton abspielende Filme oder auf andere Weise illegal kopierten hochaktuellen Müll und versuchen damit im Internet mehr Bandbreite zu nutzen als Spam-Mails. Das nimmt die Film- und Musikindustrie zum Anlass, den Raubkopierer wiederum ihre eigenen ökonomischen Versäumnis anzulasten. Denn auch grundehrliche Menschen mögen den legalen hochaktuellen Müll auf CD und DVD nicht mehr kaufen.
Also müssen die Leute, die Raubkopien weder anfertigen, noch in Umlauf bringen, noch ansehen wollen, sich vor jedem Kinofilm und vor jeder DVD von diesem lustigen Vorspann foltern lassen, der den Betrachter auffordert, doch bitte nicht raubzukopieren. Den Teil schneiden die tatsächlichen Raubkopierer dann heraus. Leute, die nur Dateien tauschen, sind die also die illegalen Bösen und auf eine Stufe zu stellen mit sämtlichen internationalen Terroristen. Die Bemühungen bei der Bekämpfung beider Gruppen sind ja bekanntlich ähnlich erfolgreich.
Die andern jedoch, die keine Datei tauschen, sondern Bücher oder Originalmedien und dafür auch noch Porto zahlen müssen, sind die Guten. Ich erkläre dann noch schnell das Prinzip, wie so eine legale Tauschbörse funktioniert: ein Buch gegen ein Ticket, ein Ticket gegen irgendein Buch und was ich schon alles ertauscht habe.
Alle finden es ganz toll, außer ein paar Männer, die doch lieber wenigstens über Sport und Fernsehen, also die Sportschau, geredet hätten. Nach so ein paar Minuten jedoch, wenn sich bei der Zuhörerschaft das Thema so langsam gesetzt hat und einige vor ihrem geistigen Auge das heimische Bücherregal vorüberziehen lassen, um zum Tausch geeignete Werke auszuwählen, kommen doch Zweifel an der Praktikabilität. Spätestens dann kommt das unvermeidliche Totschlagargument für die Untauglichkeit von Buchtauschbörsen: der Brockhaus-Band.
"Ich würde da doch nie meinen Brockhaus einstellen!"
Dieses Argument kommt überlicherweise von Menschen, die nicht im Besitz eines Brockhauses sind, sonst hätten sie ja mal das Wort "Tausch" nachschlagen können. Und falls sie doch einen haben sollten (Bände A-L, für M-Z hat das Geld nicht gereicht), wollen sie dann wenigstens eine Gutenberg-Bibel dafür haben.
"Das taugt doch alles nichts! Wenn ich jetzt meinen Brockhaus da einstelle und ich dann nur so ein abgewichstes Taschenbuch dafür tausche, dann hab ich doch Verlust gemacht!"
Ich werfe dann ein, dass Gewinnmaximierung doch gar nicht das Ziel eines Tauschgeschäftes sei, sondern vielmehr, nicht mehr benötigte Dinge gegen andere zu tauschen, die man besser gebrauchen könne. Diese an sich recht einfache Idee leuchtet aber nicht jedem ein.
"Also ich würde da nur tauschen, wenn ich mich dabei verbessern kann! Und überhaupt, warum kann man nicht mehr als ein Ticket für ein Buch verlangen."
Mühsam versuche ich dann zu erklären, dass es nicht darum geht möglichst viele Tickets zu horten, sondern interessante Bücher dafür zu bekommen.
"Aber wenn die Anzahl der Tickets über Angebot und Nachfrage geregelt würden, dann wäre das doch soziale Marktwirtschaft!"
Angebot und Nachfrage hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun. Das Erzielen höherer Preise ist blanker Kapitalismus, nichts anderes. Soziale Marktwirtschaft ist, wenn versucht wird, für alle einen angemessenen Preis zu erzielen, so dass zwar nicht alle gleich viel haben, aber wenigstens keine Not entsteht.
Aber das war mal. Ich finde es immer wieder interessant, wie neoliberale Konservative es schaffen, der Masse klarzumachen, dass es sozial ist, wenn man ihr was wegnimmt oder der Preis dafür steigt. Kann sein, das so etwas manchmal unvermeidlich ist, aber man sollte es nicht auch noch sozial nennen. Sozial ist anders.
Spätestens dann kommen die abschließenden Totschlagargumente und es wird Zeit das Thema zu wechseln:
"Was nichts kostet, taugt auch nichts! Ich gehe lieber zu Ebay! Das hält sich nicht lange. Wenn man da keinen Gewinn machen kann, funktioniert das auch nicht."
Sagen Menschen, die anscheinend Geld aber keine Bücher haben.
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Liebe Genossinnen und Genossen!
Meine Damen und Herren von der Presse!
Im laufenden Tarifkonflikt darf ich Ihnen nun das Ergebnis der Urabstimmung bekannt geben. Mit überwältigender Mehrheit haben sich unsere Mitglieder für Streik entschieden! Mit anderen Worten: Sofern die Arbeitgeber kein grundlegend verbessertes Angebot vorlegen und die Regierung nicht umgehend durchgreifende Reformen in die Wege leiten wird, fällt Weihnachten dieses Jahr aus!
Wir Weihnachtsmänner wollen nicht länger als unterbezahlte Handlanger eines kränkelnden Saison-Kapitalismus die Versäumnisse von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausbaden müssen. Aber es geht uns nicht nur um bessere Bezahlung. Die Weihnachtsmanngewerkschaft fordert gerechtere Verteilung von Arbeit und Lohn, sowie mehr Anerkennung unseres Berufsstands.
Es kann nicht länger hingenommen werden, dass der Handel schon Monate vor dem Fest gewaltige Umsätze mit Weihnachtswaren macht, während Weihnachtsmänner, Nikoläuse, Knecht Ruprechte und Erzengel an gerade mal zwei Tagen im Jahr mit Almosen abgespeist werden. Während süßer die Kassen nie klingeln, kann man von Glück sagen, wenn wir Weihnachtsmänner im tiefsten Winter für einen Hungerlohn "Ho Ho Ho" rufend vor einem Kaufhaus frieren dürfen.
Wir Weihnachtsmänner müssen heutzutage nicht nur klimatischer und sozialer Kälte trotzen, während wir den denkbar schlechtesten Winterungsbedingungen ausgeliefert sind. Nein, auch unsere Ernährungsgewohnheiten werden auf eine harte Probe gestellt, wenn auch oft in besten Absichten. Wie sollen wir uns Jahr für Jahr in unsere Kostüme zwängen können, wenn die dargebotene Nahrung überwiegend aus kalorienreichem Naschwerk und Gebäck besteht?
Auch trägt das gesundheitsgefährdende Umfeld auf Weihnachtsmärkten nicht gerade dazu bei, das Idealgewicht zu halten. Die flächendeckende Entsorgung von Gammelfleisch durch Verarbeitung zu Rostbratwürsten verurteilen wir auf das Schärfste. Das Karamellisieren jeder verfügbaren ranzigen Mandel bis zur Ungenießbarkeit und das Flambieren geschmacklich unverkäuflicher Rotweine zu einer Chemiewaffen-ähnlichen Substanz, müssen auch in Friedenszeiten als inhuman geächtet werden.
Mit diesen menschenunwürdigen Erniedrigungen ist jetzt Schluss, liebe Genossinnen und Genossen! Unsere bescheidenen Minimalforderungen können daher nur lauten:
- Der "Weihnachtliche Festbegleiter" muss endlich ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf werden.
- Ganzjährige Vollbeschäftigung für Weihnachtsmänner.
- Ausdehnung der Vorweihnachtszeit auf das ganze Jahr.
Die Vorzüge dieser Forderungen liegen auf der Hand:
- Der erste Advent bereits im Januar
- Weihnachtsmärkte jederzeit
- Regelmäßig verkaufsoffene Sonntage
- Alle 4 Wochen ein frischer Weihnachtsbaum
- Adventskränze mit 50 Kerzen
- Adventskalender mit 358 Türchen
Wir wissen doch alle, dass es Weihnachten nicht ums Schenken geht. Ein paar altmodische Kinder legen vielleicht darauf noch Wert. Aber wir Erwachsenen wissen, dass nur die wahren Werte an Weihnachten uns glücklich und zufrieden machen: hemmungsloser Konsum! Denn nicht der Besitz macht glücklich, sondern das Kaufen! Deshalb läutet dieser Arbeitskampf der Weihnachtsmänner ein rotgoldenes Zeitalter des Konsumvollrausches ein.
Unser revolutionäres Reformvorhaben wird eine bisher nie gekannte Ankurbelung der Wirtschaft mit sich bringen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen. Die Forstwirtschaft, der Einzelhandel, die Spielzeugläden, die gesamte High-Tech-Industrie werden aufblühen. Und es wird den Schokoladenherstellern besser gehen - und den Zahnärzten. Das wird aller Orten viel Geld in die Kassen spülen. Die Finanzierung der Reform ist somit gesichert.